Samstag, 18. August 2012

Beziehungskiste

Mein guter Freund Michael W. hat Freude daran, die Welt und das, was sich in  ihr abspielt in Anlehnung an das gute alte Johari-Fenster in Quadranten einzuordnen.

Hier eine dreidimensionale Sichtweise auf die Welt der Beziehung:




Aus den 3 Dimensionen Seelischer Gleichklang | Körperlich sexueller Gleichklang | Geistig intellektueller Gleichklang und der jeweiligen Ausprägung vorhanden | nicht vorhanden ergeben sich zwangsläufig 8 Kombinationsmöglichkeiten, von denen nur eine wirklich optimal ist, alle anderen mehr oder weniger unpassend.
Das Glück ist ein Vogerl...

Dienstag, 27. Dezember 2011

Bestellung eines Kaufmännischen Leiters - ein Glaubensbekenntnis

Es ist geplant, die Stelle des "Kaufmännischen Leiters der XXX(*)" international auszuschreiben, weil die Bewertungskommission zur Überzeugung gekommen ist, im Hause nicht die geeigneten Kandidaten zur Verfügung zu haben.
Ich glaube, dass die Nichtwahl eines Bewerbers aus dem eigenen Hause begründet ist durch Selbstzweifel und Furcht.
Ich glaube, dass es menschlich ist, in Zweifel und Furcht den Wunderwuzzi herbeizusehnen, den Überguru, der alles das tun wird, was selbst bis jetzt nicht geschafft worden ist.
Ich glaube, dass der ersehnte Retter am silbernen Horizont auftauchen wird wie Lucky Luke, makellos, mit goldener Aura, gefeiert als der Retter aus Kummer und Not.
Ich glaube, dass er sich entpuppen wird als Mensch wie du und ich. Mit unseren Stärken und Schwächen, gefangen in unseren Sachzwängen, über kurz oder lang gebunden in unserer Unternehmenskultur und unserer Bürokratie. Warum? Weil wir ihn zu einem von uns machen werden, ob wir wollen oder nicht.
Ich glaube, dass wir ihm unsere Uhr schenken werden, und er uns sagen wird, wie spät es ist.
Ich glaube, dass er schaffen kann, was auch wir zu schaffen im Stande wären, und dass er scheitern wird an dem, was auch uns zu meistern verwährt bliebe.

Geschrieben von R@iner am 18.11.1997 zu Wien,
Wiedergefunden am 27.12.2011, und für wahr befunden, denn 2 von der Sorte sind mittlerweile Geschichte.

(*) Name der Redaktion bekannt ;-)

Mittwoch, 2. November 2011

Wissen

Weiß jemand, der heute auf eine Uhr blickt, die gestern zur selben Zeit stehen geblieben ist, eigentlich, wie spät es ist?

Sonntag, 24. Juli 2011

Der arme König Orü (ein Staatsschulden-Märchen)

Es war einmal ein König, der hieß mit Namen Orü.
Orü war ein armer König. Ein armer König, in einem armen Land.
Die Menschen in seinem Reich hatten viel zu wenig um zu leben, aber gerade einen Hauch zu viel um zu sterben.
Und Orü ging es ebenso, denn er war ein guter König. Ein guter und verzweifelter König.

Tag und Nacht grübelte Orü, wie er dem Übel im Lande ein Ende bereiten könnte, und eines Morgens hatte er eine Idee. Eine verzweifelte Idee.
Er beschloss, ein Monument zu bauen, ein riesiges Monument. Ein Monument, das die Welt noch nie gesehen hatte. Ein Monument, im Grunde notzlos, bestenfalls ihm zu Ehren.
Das Monument sollte Orü heißen, und es sollte aus Dingen gemacht sein, die niemandem fehlten. Aus Steinen und Sand, denn das gab's im kargen Land in rauhem Überfluss. Und aus Zeit, die seine Untertanen investierten, denn auch an Überfluss an Zeitmangel hatte niemand zu leiden. Es gab kaum etwas zu tun.

Und so trommelte er seine Untertanen zusammen und verkündete das stolze Projekt "Orü".
Jeder, der mithelfe, würde königlich belohnt, versprach er.
Und die Menschen fanden Gefallen an der Idee, und es kamen viele, um sich zu verdingen.
König Orü belohnte jeden, der beitrug mit königlichem Lohn:
1 ΟЯUЭ (gesprochen Orü) je Arbeitstag, verbrieft auf Pergament mit königlichem Siegel und höchst eigenhändiger königlicher Signatur.
Und jeder wusste, mit jedem ΟЯUЭ, den man erwarb, erwarb man Eigentum am Monument.

Die Menschen strömten herbei und jeden Tag wurden es mehr. Architekten und Ingenieure fanden sich ebenso wie unzählige Arbeiter, und mit Fortschritt des Projektes bildeten sich Versorgungsstrukturen. Denn die Menschen mussten essen und trinken, und sie hatten auch sonst allerlei an Bedürfnissen, die gegen ΟЯUЭ befriedigt werden wollten, und Handel und Wandel gedieh alsbald prächtig.
Es entstanden Siedlungen, Gehöfte, und in ebendem Maße, in dem das Monument wuchs, wuchsen auch Wohlstand und Zufriedenheit im Lande.

Orü ist ein wohlhabender König. Umgeben von wohlhabenden Untertanen in einem wohlhabenden Land, bloß weil in der Mitte seines Reiches ein Monument steht, das die Welt noch nie gesehen hat. Ein Monument, das streng besehen keinen Nutzen stiftet. Es ist bloß Gegenwert der ΟЯUЭs, die von Hand zu Hand gehend Land und Leute Wohlstand sichert. Ein Monument, Orü zu ehren.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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Erläuterung:
Der weise König Orü bringt seinen Untertanen Wohlstand, indem er Schulden aufnimmt.
Er kreiert SCHULDGELD.
Würde er das Geld zum Bau seines Monuments anderswo leihen, und dafür Zinsen bezahlen (müssen), sähe die Rechnung wohl anders aus.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Samstag, 25. Juni 2011

Ein Staat ist keine Firma

Natürlich kann man einen Staat mit einer Firma vergleichen, bloß ein Staat ist keine Firma.
Kein Staat kann seine Schulden jemals zurückbezahlen.
Kein Staat denkt daran, seine Schulden jemals zurückzuzahlen.
Keiner!
Gläubiger, die einem Staat geborgt haben, werden am Ende der Laufzeit befriedigt, indem der Staat einen neuen Kredit aufnimmt, um den alten zu tilgen.
Es geht "in Zeiten wie diesen" bloß darum, dass den Staaten weiter geborgt wird. Und das natürlich zu leistbaren Zinsen.
Denn ein Staat ist erst dann bankrott, wenn er seinen Zinsendienst nicht mehr bedienen kann.
Und der "Markt" (wer immer das ist), ist emsig bemüht, Griechenland (und später vielleicht andere) dort hin zu bringen.
Denn die Zinsen werden momentan in absurd astronomische Höhen getrieben.
Und die Reichen werden reicher, und die Armen werden ärmer.
Wohl, weil der Staat von den Armen nimmt, um die Reichen dazu zu bewegen, weiter zu borgen.
Pervers, finde ich. Du auch?

Montag, 18. April 2011

Du sollst dir kein Bild machen

Hier und jetzt ist beschlossen:
NIEMANDEM ist das Recht / die Macht gegeben
  • mir das Bild aufzudrängen, das er/sie sich von mir gemacht hat
  • über mich zu urteilen / zu richten
  • mich Dinge tun zu lassen, die ich nicht tun will,
    - weder aus Angst vor Bestrafung
    - noch aus Hoffnung auf Belohnung.
Denn wahrlich, ich sage euch:

Auch wenn ihr nicht umhin kommt, euch ein Bild von mir zu machen, mich zu kategorisieren. Keines eurer Labels wird an mir haften. Sie gleiten ab und fallen, wie das welke Laub im Herbst von den Bäumen fällt.
Keine Markierung, egal ob hübsch oder hässlich, wird meinem Wesen gerecht.
Ich bin.
Ich bin R@iner.

Notiz vom 30.12.2007 23:00
(Wiederentdeckt und für gut befunden im April 2011)

Mittwoch, 5. Januar 2011

Die EWIGKEIT und das EWIGE LEBEN

Manche Mystiker behaupten, die Ewigkeit würde jetzt geschehen, und gar mancher glaubt an das Ewige Leben. Was ist davon zu halten?
Mal nachdenken:

Uber die Ewigkeit:


In Wikipedia steht geschrieben (Datum Blogeintrag) :
Unter Ewigkeit oder etwas Ewigem versteht man etwas, das weder einen zeitlichen Anfang noch ein zeitliches Ende besitzt bzw. unabhängig von dem Phänomen Zeit existiert.

Einstein hat festgestellt, dass Raum ohne Zeit und Zeit ohne Raum nicht sein können . Wir leben im sogenannten Raum-Zeit-Kontinuum.
Weil als gesichert gilt, dass am Anfang der Welt der Urknall stand, der den Beginn des Raum-Zeit-Kontinuums ausmacht, kann Ewigkeit nicht innerhalb des Raum-Zeit-Kontinuums existieren, denn ihre Existenz benötigt KEINEN Anfang, das Raum-Zeit-Kontinuum hat aber einen.
Die Ewigkeit muss folglich schon vor dem Urknall, unabhängig von der Raum-Zeit, existiert haben.

Es muss also richtig heißen:
Unter Ewigkeit oder etwas Ewigem versteht man etwas, das unabhängig vom Phänomen Raum & Zeit existiert.

Die Ewigkeit ist zeitlos.

Die Ewigkeit ist das, innerhalb dessen das Raum-Zeit-Kontinuum stattfindet. Das Raum-Zeit-Kontinuum ist eine Blase in der Ewigkeit, sozusagen.
Deshalb ist jetzt Ewigkeit.
Immer.
Und Ewig.

Über das Ewige Leben:


Einstein hat festgestellt, dass wir im sogenannten Raum-Zeit-Kontinuum leben . Ewiges Leben muss zeitloses Leben sein. Lassen wir die Zeit weg, fällt automatisch auch der Raum weg.
Ohne Raum kein Leben. Oder kann sich der geneigte Leser ein Leben ohne Raum vorstellen? Ziemlich beengend, nicht wahr?
Ohne Zeit kein Leben. Oder kann sich der geneigte Leser ein Leben ohne Zeit vorstellen? Ziemlich einförmig, nicht wahr?
Ohne Raum und Zeit keine Bewegung, keine Veränderung, kein Wachstum. Kann sich der geneigte Leser ein Leben ohne Veränderung und ohne Wachstum vorstellen? Ziemlich erstarrt, nicht wahr?
Was würde zeitlos Belebtes von zeitlos Umbelebtem unterscheiden? Nichts.
Ewiges Leben ist ein Paradoxon, ein unauflösbarer Widerspruch.

Logisch?

Freitag, 5. März 2010

Inselgelt (9) – Wer hat Schuld?

Feldi und Bachi sitzen beisammen. Sie machen sich Sorgen. Weniger um Waldi selbst. Der ist ersetzbar, denn dort draußen auf der endlos großen Scheibe, da sind weitere Inseln und dahinter noch weitere. Feldis Handel und Wandel läuft gut, und Bachi gibt gerne Kredit.
Bloß die 1.000 Steinchen, die Waldi Bachi schuldet, machen Bachi ärgerlich.
Und die 1.000 Steinchen, die Waldi Feldi schuldet, machen Feldi ärgerlich, denn er hat auch geborgt, das mit dem Zins war zu verlockend.
Und so machen die 2.000 geborgten Steinchen Bachi und Feldi ärgerlich, weil sie angesichts der schrecklichen Lichtung in Waldis Wald um diesen Besitz bangen.
Längst haben sie vergessen, dass auf Bachis Zettelbank bloß 12 Steinchen liegen, wozu auch. Die sind völlig ohne Bedeutung. Und wen schert es, ob sie überhaupt noch dort sind.

Auch Waldi ärgern die 2.000 geborgten Steinchen. Denn irgendwie deucht ihm diese Schuld eigenartig. Feldi und Bachi besitzen so gut wie alles, was man auf dieser Insel besitzen kann, und er, Waldi, hat demnächst gerade noch so viele Bäume, wie man an den Fingern einer Hand abzählen kann.

Selber schuld, könnte man meinen.
Wäre er eben fleißiger gewesen, könnte man sagen.
Er hätte eben das Wachstumsspiel der Anderen mitspielen müssen.

Und während Feldi und Bachi keinen Gedanken verschwenden auf die Frage, wo das Gelt eigentlich her gekommen ist, das ihre Geschäfte beflügelt, sitzt Waldi im Schatten eines Baumes, und blickt auf’s Meer hinaus.

Wie kann es kommen, dass einer 2.000 Steinchen schuldet, wo doch niemals mehr als 12 Steinchen gleichzeitig zu sehen gewesen waren.
Er kritzelt „Gelt = Ungiltiges + Schuld“ in den Sand und denkt:
„Wäre diese Insel jetzt eine Kugel, dann hätten Feldi und Bachi ein ernstes Problem.“

Fortsetzung folgt nicht.

Hier geht's zum Beginn: Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Donnerstag, 4. März 2010

Inselgelt (8) - Kreditfalle

Auch Waldis Nerven liegen lange schon blank, denn seine Lage ist ihm längst bewusst.
Er hatte zwar begonnen, neue Bäumchen zu setzen. Die wachsen zwar stätig, aber elendiglich langsam. Die Lichtung hingegen, die wächst rasch und immer schneller noch dazu.
Und auch sonst ist er in denkbar schlechter Position. Was kann er groß ausrichten gegen Feldi, der nebenan schaltet und waltet, und gegen Bachi, der auf seiner Bank sitzt, und Herr ist über Gelt, und der von den Zinsen lebt, die Waldi (und andere) bereit gewesen waren, zu akzeptieren, und die er, Waldi, nun nicht imstande sein würde, mitsamt den angehäuften Schulden jemals zu begleichen.
Und er hatte Bachi im Ringen um neuen Kredit gar manches Märchen aufgetischt, um seine Lage und Kreditwürdigkeit zu beschönigen, die lange unbemerkt gebliebene Lichtung im Walde inklusive.

Und Bachis jüngstes Angebot, ihm letztmals 10 gegen 15 zu borgen, verbunden mit dem drängend vorgebrachten Rat, zu sparen, und zu sehen, seine Schulden doch jetzt endlich in den Griff zu bekommen, kommt ihm da gerade recht.

Da ist ihm die Erkenntnis, dass die Welt, auf der wir alle leben, eine Kugel ist, und keine unbegrenzte Scheibe, wie Feldi und Bachi hartnäckig zu glauben scheinen, auch kein Trost, fürwahr.

Fortsetzung folgt.
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Hier geht's zum Beginn: Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Mittwoch, 3. März 2010

Inselgelt (7) – Wirtschaftskraft & Kreditwürdigkeit

Viele Jahre sind seitdem vergangen. Die Dinge haben sich verändert. Anfangs unmerklich, mit der Zeit aber immer deutlicher und immer rascher.

Feldi hatte eine Menge von Dingen unterschiedlicher Nützlichkeit angehäuft.
Heute besitzt er Felder, Boote, treibt Handel. Gäste von benachbarten Inseln kommen auf Besuch, wohnen in eigens für sie gebauten Hütten am Strand, essen seine Fladenbrote, und manche arbeiten für ihn.
Das alles bringen Reichtum und Wohlstand.

Bachi sitzt auf seiner Bank und hat Anteil an Feldis Erfolg. Nicht nur Waldi hat Kredit bei ihm genommen, auch Feldi zahlt Zinsen, und gar mancher Bewohner benachbarter Inseln hat seine Geltgeschäfte Bachi anvertraut. Bachi hat einen Helfer angeheuert und ihm beigebracht, seine Bücher zu halten, und es fällt ihm leicht, dessen Mühe aus den Zinseinnahmen zu entgelten.

Waldi hingegen hat den Großteil seiner Bäume gefällt. Anfangs gemütlich, später aber immer eiliger, wegen der Zinslast. Und darüber hatte er ganz übersehen, sich rechtzeitig um junge Bäume zu bemühen.
Die wuchsen weit langsamer nach, als er fällen musste. Und daran ändert auch nicht, dass er sich mittlerweile als Arbeiter auf Feldis Feldern verdingt, um etwas Gelt dazuzuverdienen, in der Hoffnung, dann weniger Bäume fällen zu müssen.

Der Boden, auf dem ehemals Wald gestanden hatte, ist karg und öde. Das Holz ist verheizt oder es steckt in Feldis Hütten und Booten. Die paar Gäste der anderen Inseln, die es auf der Suche nach unberührter Natur heute an Waldis kargen Strand verschlägt, lassen nur wenig Nutzbares zurück.
Und seine Erkenntnis „E gleich M C Quadrat“ ist auch niemandem Einsteinchen wert.

Und erst neulich war er da, der Moment, an dem Bachi begann, an Waldis Fähigkeit die geborgten Steinchen jemals zurückgeben zu können, zu zweifeln.
Bachi hatte sich lange gewehrt, den Zweifel hochkommen zu lassen. Denn anfangs hatte Waldi seine Schuld pünktlich mit vereinbartem Zins beglichen.
Aber irgendwann hatte Bachi beim Wandern durch Waldis Wald festgestellt, dass in der Mitte eine riesige Lichtung klaffte. "Der Wald schrumpft," schoss es ihm glühend heiß ein.

Und als Waldi mit der Bitte gekommen war, ihm neuen Kredit zu geben, weil er den alten gerade nicht zu begleichen im Stande wäre, war Bachi bereit, aber zu höherem Zins, wegen des Risikos, so hatte er argumentiert.
Und so war Waldi bereit gewesen, erst 12, dann 13 Steinchen für 10 geborgte zu schulden. Und mit dem Zinsgewinn war Bachi gut einkaufen, das wirkte lange beruhigend wie Baldrian auf Bachis Nerven.
Bloß mittlerweile steht Waldis Schuld bei 1000, und die verbliebenen Bäume werden bald an den Fingern einer Hand abzuzählen sein.

Fortsetzung folgt.

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Dienstag, 2. März 2010

Inselgelt (6) - Zinswirtschaft

Irgendwann war Bachi es leid, andauernd zu borgen, denn es bedeutete Arbeit und er musste den Überblick behalten, ohne dass ihm diese Anstrengung einen Nutzen gebracht hätte.
Außerdem dämmerte ihm das Risiko, wenn Geborgtes einmal nicht zurückgegeben würde, dann wäre es wohl zu seinem Schaden.

So zierte er sich, als Waldi wieder um Kredit ansuchte. Aber Waldi wollte sich nicht abwimmeln lassen, und als er gar vorschlug, für 10 Gelt später 11 zu geben, war Waldi wieder zufrieden, und er borgte. Das 11te war Lohn für seine Mühe, das konnte er für sich gegen Nützliches tauschen, und das gefiel ihm.

Und so ging das fortan.
Mit jedem Kredit von 10, den er gab, bekam er nach vereinbarter Frist 11 zurück.
Denn sobald Waldi danach war, tauschte er Holz bei Feldi gegen Gelt, das er ihm zuvor gegen Weizen gegeben hatte, und damit beglich er regelmäßig seine Schuld bei Bachi, der ihm bereitwillig neuen Kredit gab, 10 Gelt gegen 11, versteht sich.

Gab Bachi 10 Gelt Kredit, waren 22 Gelt unterwegs. 12 gedeckt durch die Ungiltigen auf der Bank und die anderen 10 als Eintrag im Schuldbuch. Zahlte Waldi zurück, waren zusätzliches Gelt und Schulden wieder verschwunden.
Den Zins berappte Waldi gewöhnlich aus dem Verkauf von Holz, und war er wieder mal nicht flüssig, so bat er um neuen Kredit von 10 gegen 11, und ließ Bachi eins davon als Lohn für den letzten Kredit zurück.
Bachi gab gerne und viel, denn Waldis Wald stand als Garant dafür, dass die Schulden beglichen würden, und 10 Kredit brachten 1, aber 20 brachten 2 im gleichen Zeitraum.

Auf diese Weise stieg die Menge an Gelt in präzise dem Maße, in dem Waldis Schulden stiegen.
Die Preise stiegen zwar auch ein wenig im Laufe der Zeit, aber ohne Besorgnis zu erregen. Denn Handel und Wandel stiegen umso mehr. Je mehr Zettel vorhanden, desto mehr konnte man kaufen, egal ob Weizen, Fisch oder Holz.
Feldi war zufrieden, denn seine Geschäfte liefen gut und immer besser.
Bachi war zufrieden, denn seine Geschäfte liefen gut und immer besser.
Waldi war zufrieden, denn seine Geschäfte liefen gut und immer besser und allen mangelte an nichts.

Fortsetzung folgt.

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Hier geht's zum Beginn: Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Montag, 1. März 2010

Inselgelt (5) - Kreditwirtschaft

Das ging so, Tag ein, Tag aus. Und als Waldi eines Tages vorbei kam, um Bachi zu bitten, ihm doch ein Steinchen zu leihen, weil er gerade keines hatte und keine Lust einen Baum zu fällen, verborgte der eines, und dachte nicht weiter darüber nach.
Denn Waldi hatte genug Bäume, und das Steinchen würde er ihm sicher bei nächster Gelegenheit wieder zurück geben.
Bachi eröffnete ein Schuldbuch, in das er schrieb: „Waldi schuldet ein Steinchen."

Waldi kam öfters, und borgte Steinchen. Und Bachi führte Buch, damit er den Überblick nicht verliere.
Gab Bachi ein Gelt-Gilt-Steinchen, vermerkte er im Schuldbuch „Waldi schuldet ein Steinchen“.
Ersuchte Waldi um Bar-Gelt-Gilt, denn die Verwendung der Zettel war er zunehmend gewohnt, nahm Bachi ein trockenes Blatt, schrieb „Gegen diesen Zettel gebe ich ein Steinchen!“ mit Unterschrift, und im Schuldbuch vermerkte er „Waldi schuldet ein Steinchen“.
Und nachdem Bar-Gelt-Gilt-los Einzug gehalten hatte, schrieb er ins Einlagenbuch „Waldi besitzt ein Steinchen“ und ins Schuldenbuch „Waldi schuldet ein Steinchen“.

Eines Tages begab es sich, dass alle 12 Gelt-Gilt-Steinchen bei Feldi waren, und Waldi kam, um eines zu borgen.
Bachi bemerkte, dass auf der Bank kein Steinchen zum Verborgen verblieben war. Das irritierte ihn, aber nach kurzem Sinnieren nahm er ein trockenes Blatt, schrieb „Gegen diesen Zettel gebe ich ein Steinchen!“ mit Unterschrift, und in seinem Schuldbuch schrieb er wie immer „Waldi schuldet ein Steinchen“.
Erst als Feldi tags danach zur Zettelbank gekommen war, um alle 12 Steinchen in Verwahrung zu geben, staunte Bachi nicht schlecht. Feldi hatte wie gewohnt gegen die Gelt-Gilt-Steinchen 12 Bar-Gelt-Gilt genommen, und Bachi bemerkte beim Studium seiner Bücher, dass er zwar 12 Ungiltige auf der Bank hatte, aber 13 Bar-Gelt-Gilt bei Feldi und Waldi waren. Er, Bachi, hatte ein seltsames 13. Ungiltiges auf seiner Bank. Ein virtuelles, unsichtbares Steinchen sozusagen. Eines, das als Waldis Schuld im Schuldbuch stand.
Das war Zauberei.

Ansonsten war alles gleich geblieben wie zuvor, und niemand außer Bachi wunderte sich.
Wenn mal einer kam, um Bar-Gelt-Gilt oder Buch-Gelt-Gilt gegen Gelt-Gilt-Steinchen zu tauschen, gab er Steinchen und zerriss Zettel oder verbuchte, und das ging immer so, bloß kam immer seltener jemand, um sich ein Geld-Gilt Steinchen zu holen. Bar-Gelt-Gilt war viel handlicher, und Buch-Gelt-Gilt ebenso.
Und seit Bachi Bar-Gelt-Gilt Bar-Gelt und Buch-Gelt-Gilt Buch-Gelt nannte, waren beide fast noch handlicher.

Bachi wunderte sich also, und er dachte nach über Bar-Gelt (die Zettelchen, die umherliefen) und Buch-Gelt (das im Einlagenbuch vermerkt war) und über Gelt-Gilt (die Steinchen, die umliefen) und die Ungiltigen (die Steinchen auf seiner Bank) und über die Geschuldeten (die im Schuldbuch vermerkt waren), und er stellte fest:

(i) Summe aus Gelt-Gilt plus Bar-Gelt plus Buch-Gelt ist immer gleich Ungiltige plus Schuld.
(ii) Summe aus Gelt-Gilt plus Ungiltige ist immer 12.

Und Bachi bemerkte, dass zwischen Gelt-Gilt, Bar-Gelt und Buch-Gelt kein wirklicher Unterschied war, und so beschloss er die drei seltsamen Brüder „Gelt“ zu nennen.

Fortsetzung folgt.

Hier geht's zur nächsten Folge: Inselgelt (6) - Zinswirtschaft
Hier geht's zum Beginn: Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Sonntag, 28. Februar 2010

Inselgelt (4) – Buchgeld

Wenn Feldi in Eile war, beim Hinterlegen eines Steinchens auf der Bank, dann konnte gut sein, dass er „Schreib’s auf!“ sagte, weil er nicht auf Bachis Bestätigungszettel warten wollte.
Und so eröffnete Bachi ein Einlagenbuch, in das er schrieb: „Feldi besitzt ein Steinchen.“

Bachi benannte, womit er sich beschäftigte.

Die Steinchen, die Feldi und Waldi und er selbst bei sich trugen, die nannte er „Gelt-Gilt“, weil man damit Gelt-Gilt-Geschäfte machen konnte.
Jene Steinchen, die auf der Zettelbank lagen, die nannte er „Ungiltige“, denn sie waren hinterlegt. Eingesperrt. Aus dem Verkehr.

Die Bestätigungszettel für hinterlegtes Gelt-Gilt, die mittlerweile wie Gelt-Gilt selbst und anstelle der Ungiltigen den Besitzer wechselten, die nannte er Bar-Gelt-Gilt.
Nicht ohne zu schmunzeln nannte er sie Bar-Gelt-Gilt, denn wer mit dem Zettel von Hinnen nach Dannen ging, der ging bar des Steinchens, also quasi nackend, vom Steinchen befreit.

Das, was Feldi eilig und ohne Beleg hinterlegt hatte, das nannte er Buch-Gelt-Gilt. Schlicht, weil es in seinem Einlagenbuch vermerktes Gelt-Gilt war, über das Feldi, oder wer es auch sonst hinterlegt hatte, jederzeit hätte verfügen können, so, als tauschte er einen der Zettel.

Und weil Feldi zerstreut war, und beim Tauschen an der Bachmündung weder Steinchen noch Zettel bei sich gehabt hatte, und Bachi aus der Not geholfen hatte, indem er vorschlug, das Steinchen, das Feldi Waldi gegen Holz zu bezahlen gehabt hätte einfach als Buch-Gelt-Gilt von Feldis Guthaben auf Waldis umzubuchen, gewöhnte sich auch Waldi an Buch-Gelt-Gilt, und verzichtete immer mehr auf das Ausstellen von Zettel.
Man verrechnete zunehmend Bar-Gelt-Gilt-los, und Bachi buchte, denn im Grunde war das Eine wie das Andere.

Fortsetzung folgt.

Hier geht's zur nächsten Folge: Inselgelt (5) - Kreditwirtschaft
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Samstag, 27. Februar 2010

Inselgelt (3) – Bargeld

Die Zeit verging und alle hatten ihr Ein- und Auskommen, jeder auf seine Weise.

Feldi war der eifrigste. Er war einer von der Sorte, die nicht still sitzen kann. Der Weizen brauchte regelmäßig Hege und Pflege. Und wenn er gerade keine brauchte, fand Feldi tausend andere Dinge zu tun.
Er hatte sogar mit Holz, das er von Waldi getauscht hatte, ein Boot gebaut und trieb sich am Meer zum Fischen herum. Auf diese Weise hatte er benachbarte Inseln entdeckt und begonnen, dort seinen Überschuss an Weizen gegen Dies und Das zu tauschen.

Waldi war von der gemütlichen Sorte. Er saß gerne im Schatten seiner Bäume, betrachtete das Meer oder den Lauf der Sonne und dachte nach. Er kritzelte gerne Zeichnungen in den Sand und sprach mitunter sonderbare Dinge, „A Quadrat plus B Quadrat ist gleich C Quadrat“ beispielsweise, oder „Störe meine Kreise nicht“, wenn man ihn in seinen Gedanken unterbrach.
Wenn Waldi Weizen oder Fisch brauchte fällte er einen Baum, oder er erlaubte Feldi oder Bachi einen zu fällen, während er kritzelte, und gab ihn gegen Steinchen. Ansonsten genügte er sich selbst.

Bachi war ein Durchschnittstyp. Nicht so tunorientiert wie Feldi, und auch nicht so seinorientiert wie Waldi.
Bachi war gesellig. Vielleicht der Geselligste von allen Dreien.
Er liebte es, bei Feldi oder Waldi vorbei zu kommen, und Worte zu wechseln.
Und er genoss zunehmend Vertrauen bei Feldi und Waldi, denn Geselligkeit macht vertraut, und er hatte Gespür für Gerechtigkeit bewiesen, war es ihm doch mehrmals gelungen Streit zu schlichten und Recht herzustellen, wo Unrecht schien.

Bachi hatte sich eine Bank am Bach gezimmert, auf der saß er gerne, wenn er nicht gerade zum Worte wechseln unterwegs war.

Bachi wunderte sich nicht weiter, als Feldi eines Tages an seiner Bank vorbei kam, und ihn bat, seine, Feldis, Steinchen in Verwahrung zu nehmen. Er, Feldi, sei doch immer beschäftigt und unterwegs, und die Steinchen leicht anzubauen, aber ohne Ertrag. Und wo doch Bachi die längste Zeit ohnehin auf seiner Bank säße, könnte er doch genauso gut auf Feldis Steinchen aufpassen, auf dass sie keine Füßchen bekämen, und sich nicht aus dem Staube machten.

Anfangs hatte Feldi eine Bestätigung erbeten, wenn er ein Steinchen bei Bachi hinterlegte. „Gegen diesen Zettel gebe ich ein Steinchen!“ hatte Bachi dann auf ein getrocknetes Blatt geschrieben, mit Unterschrift, und Feldi war zufrieden.
Das Steinchen selbst legte Bachi sorgfältig auf die Bank.
Und wenn Feldi hie und da einen der Zettel gegen ein Steinchen zurücktauschen wollte, war das nie ein Problem. Bachi gab ihm das Steinchen von der Bank und zerriss den Zettel.

Weil Feldi oft in Eile war, konnte es gut vorkommen, dass er beim Tausch von Holz kein Steinchen dabei hatte, bloß Bachis Zettel. Feldi gab dann Waldi den Zettel an Steinchen Statt, und der nahm ihn ohne Bedenken, denn er wusste, gegen diesen Zettel gibt Bachi ein Steinchen.
Es war, als würde im Moment, in dem Feldi ihm den Zettel übergab, auch das Steinchen auf Bachis Bank in seinen Besitz wandern.

Und weil es bequem war, nicht selbst auf die Steinchen aufzupassen, dauerte es nicht lange, und Waldi deponierte auch Steinchen auf der Bank, und ließ sich Zettel dafür geben.

So hatte jeder seine Rolle im Spiel:
Feldi übte Tun, Waldi übte Sein, und Bachi saß auf seiner Bank und bewachte die Steinchen auf der Bank.

Fortsetzung folgt.

Hier geht's zur nächsten Folge: Inselgelt (4) - Buchgeld
Hier geht's zum Beginn: Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Freitag, 26. Februar 2010

Inselgelt (2) - Geldwirtschaft

Mitunter gerieten die gewohnten Tauschverhältnisse allerdings gehörig durcheinander. Wenn Feldis Vorrat an Weizen zur Neige ging, und er nicht mehr tauschen wollte, beispielsweise. Da musste Waldi schon 3 Bund Holz für den Eimer bieten, bis Feldi einschlug. Oder wenn Waldi auf einem der 2 Bunde Holz, die er mühsam zum morgendlichen Treffpunkt an der Bachmündung geschleppt hatte, sitzen geblieben war, und lieber mit 1 Eimer Weizen oder meinetwegen mit einem mittelgroßen Fisch nach Hause gegangen wäre, als den schweren Holzbund wieder heim zu schleppen. Und der letzte genießbare Fisch der Saison war schon mal um stolze 5 Bund Holz an Feldi gegangen, weil Waldi bei 4 Bund aufgehört hatte, mitzubieten.

Das war überhaupt so eine Sache mit den Bedürfnissen.
Es konnte schon einmal vorkommen, dass Bachi gerne Holz gehabt hätte, aber Waldi gerade keinen Fisch wollte, aber Weizen. Dann musste Bachi versuchen, erst Fisch gegen Weizen, und dann Weizen gegen Holz zu tauschen. Das war mitunter recht nervig, aber irgendwie war man's gewohnt, und meistens traf man sich ohnehin morgens an der Bachmündung, da ließ sich in der Regel ein Kompromiss finden.
Vielleicht lagerte man auch irgendetwas ein, was man momentan eigentlich nicht wirklich brauchte, sehr wohl aber in der Erwartung, es später gegen Brauchbares eintauschen zu können.
So tauschte Bachi Fisch recht gerne gegen Holz, denn das bleibt sehr lange brauchbar, was man von seinem Fisch leider nicht behaupten kann.

Dass Bachi beim Fischen seinen Zeh an einem seltsam glänzenden daumengroßen Steinchen gestoßen hatte, war vorerst ohne Bedeutung.
Bachi gefiel das glänzende Steinchen, und er hatte es nach Hause in seine bescheidene Hütte genommen.

Das Steinchen war hübsch, aber das war auch alles. Und einzigartig. Und unverwüstlich. Aber es war zu rein gar nichts zu gebrauchen. Selbst wenn man es schluckte, es kam irgendwann wieder zum Vorschein, etwas unansehnlich vielleicht, aber unversehrt. Und ohne irgendwelchen Nutzen zu stiften.
Im Laufe der Zeit gesellten sich weitere von diesen seltsam glänzenden daumengroßen Steinchen hinzu. Bachis Sammlung war auf 12 Steinchen angewachsen, dann schien der Bach leer geräumt.
Bachis Verwunderung war groß, als ihm bei einer Verhandlung um 1 Eimer Weizen ein Steinchen aus dem Hosensack gekullert war, und Feldi sofort 6 Eimer Weizen dafür bot.
Und nachdem Bachi verblüfft akzeptierte, und Waldi kurz darauf Wind von den Steinchen bekam, gewannen die Steinchen an Bedeutung.

Es dauerte nicht lange, und man tauschte

Steinchen
[ 1 Stk]
Holz
[Bund]
Weizen
[Eimer]
Fisch
[1 mittelgroßer]
Steinchen >>>
[ 1 Stk]
1
3
6
12
Holz >>>
[1 Bund]
1/3
1
2
4
Weizen >>>
[1 Eimer]
1/6
1/2
1
2
Fisch >>>
[1 mittelgroßer]
1/12
1/4
1/2
1

Erst tauschte man gegen Steinchen, weil sie hübsch waren.
Das Erste, das man selbst sein Eigen nannte, war ganz besonders hübsch. Das Zweite, war nicht mehr ganz so hübsch, wenn man es so recht besah, und das Dritte noch ein bisschen weniger. Obwohl, wenn man sie durcheinander mischte, konnte man nicht mehr so recht sagen, welches davon denn das Erste und welches das Dritte gewesen war.
Es war wohl eher wie mit den Weizenfladen. Das Erste schmeckt besonders lecker, wenn man Hunger hat. Aber das Dritte, wenn einem der Bauch schon steht, nun ja.

Aber da war dann doch noch etwas ganz besonderes an den Steinchen.
Sie waren nicht bloß hübsch. Sie waren handlich. Weit handlicher, als Holzbunde.
Und sie waren haltbar. Weit haltbarer als Getreide und weit weit haltbarer als Fisch.
Und sie waren ganz offensichtlich rar. Denn als Feldi und Waldi jeder 4 davon eingetauscht hatten, hatte Bachi plötzlich den Spaß daran verloren, weitere zu tauschen, als ging' es um den letzten Fisch.

Die Steinchen von Feldi und Waldi glänzten unverändert schön, aber weil sich Feldi und Waldi an ihnen über kurz oder lang satt gesehen hatten, war's ihnen irgendwann einerlei, ob sie jetzt 5 oder 1 davon besaßen. Und weil sie es Leid waren, Eimer und Bunde früh morgens an die Bachmündung zu schleppen, einigten sie sich, was sie gerade brauchten gegen diese Steinchen zu tauschen:

Holz
[Bund]
Weizen
[Eimer]
Fisch
[1 mittelgroßer]
Steinchen >>> 
[ 1 Stk]
3
6
12

Das war äußerst komfortabel. Man musste weit weniger schleppen, die Tauschrelationen waren einfach zu merken, und wenn man gerade mal gar nichts brauchte, ein Steinchen war allemal gut genug, um den Wert des Getauschten zu konservieren, und später Brauchbares zurück zu tauschen.
Das sah auch Bachi ein, nachdem er 1 Steinchen nach einem guten Fang gegen 12 seiner Fische zurück getauscht hatte, die er unmöglich alleine hätte essen können, bevor sie verdorben wären.

Und ein freundliches Ritual hatte sich auch eingestellt, mit dem Steinchentausch: "3 Bund Holz macht 1 Steinchen, gelt?" - " Ein Steinchen, gilt!" Das war der Spruch, der ein gelungenes Holzgeschäft besiegelte.
Gelt, ausgesprochen "gööt" [gø t], das steht für "nicht wahr!" (engl. "isn't it!"), das hatte Bachi irgend wann einmal in Wien aufgeschnappt, lange bevor er an Land gespült worden war. Gilt, ausgesprochen "güüt"[gy t], kommt auch von dort, und Bachi fand es lustig, gööt und güüt zu sagen, und die Anderen machten mit.

Fortsetzung folgt.

Hier geht's zur nächsten Folge: Inselgelt (3) - Bargeld
Hier geht's zum Beginn: Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Donnerstag, 25. Februar 2010

Inselgelt (1) - Tauschwirtschaft

Also mal angenommen, irgendwo im Nirgendwo ist eine Insel, auf der leben 3 Menschen.
Feldi besitzt das Ackerland. Das war schon immer so, warum weiß keiner so genau, tut auch nichts zur Sache.
Waldi besitzt den Wald.
Bachi besitzt weder Grund noch Boden. Er war als Letzter auf die Insel gekommen, und weil Feld und Wald besetzt waren, wohnt er am Bach. Der bildet die Grenze zwischen Wald und Feld, und war und ist so eine Art von Niemandsland.

Feldi baut seit immer Weizen, Waldi schlägt Holz. Solange sie zu zweit waren, tauschten sie untereinander, was sie hatten.
Feldi tauschte seinen Weizen gegen Holz, denn das kann man gut gebrauchen, um eine Hütte zu bauen und instand zu halten, und um Feuer zu machen wenn's kalt ist und zum Kochen.
Waldi tauschte sein Holz gegen Weizen, denn aus dem lassen sich köstliche Fladen backen, und mehr braucht es eigentlich nicht, um zu leben.

Das war recht einfach zu tauschen, denn beide hatten genug von jedem. Man einigte sich rasch:

Holz
[Bund]
Weizen
[Eimer]
Holz   >>>
[1 Bund]
1
2
Weizen   >>>
[1 Eimer]
1/2
1

Mit Bachi hatten sich die Verhältnisse etwas verändert. Er war irgendwann an Land gespült worden, ohne Hab und Gut. Und weil Feldi und Waldi misstrauisch waren ihm gegenüber, hatte er beschlossen, ihnen aus dem Weg zu gehen. Er hatte Fische im Bach gefangen, und eine Hütte im Sumpf gebaut. Das störte Feldi und Waldi nicht weiter, und sie gewöhnten sich an den Dritten im Bunde.

Bachi hatte damit begonnen, hie und da einen seiner gefangenen Fische gegen etwas Weizen oder Holz einzutauschen. Feldi und Waldi schätzen den Fisch, er bringt ein klein wenig Vielfalt in die eintönige Fladenküche, und Bachi schätzt Weizen und Holz aus Gründen, die nahe liegen.

Dem Tauschen von Holz, Weizen und Fisch war anfangs ein eifriges Feilschen voraus gegangen.
Mit der Zeit einigte man sich aber auf gleichbleibende Tarife, und meist gab's für

Holz
[Bund]
Weizen
[Eimer]
Fisch
[mittegroß]
Holz   >>>
[1 Bund]
1
2
4
Weizen   >>>
[1 Eimer]
1/2
1
2
Fisch   >>>
[1 mittelgroßer]
1/4
1/2
1

Fortsetzung folgt.

Hier geht's zur nächsten Folge: Inselgelt (2) - Geldwirtschaft

Montag, 30. November 2009

Jean Ziegler (zum Thema Hunger in der Welt)

Jean Ziegler (Schweizer Soziologe, Politiker, Sachbuchautor)

Auszug aus "We feed the world"

Think about it!

Weitere Aussagen:
3-Sat Interview Teil 1 und Teil 2
3-Sat Der Hass auf den Westen
Yorick Niess: Der Geist des Geldes

Dienstag, 13. Oktober 2009

Liebe ist ...

  • ... ein Bedürfnis, das erfüllt sein kann, oder auch nicht?
    (aus GFK - Marshall B. Rosenberg)
  • ... ein unordentliches Gefühl?
    ( Buchtitel - Richard David PRECHT)
  • ... ein Wort?
  • ... eine Entscheidung?
  • ... nicht alles, aber ohne Liebe ist alles nichts.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Imagine

Imagine there's no heaven
It's easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today

Imagine there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace

You may say I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world...

You may say I'm a dreamer
But I'm not the only one
I hope someday you'll join us
And the world will live as one

Montag, 5. Oktober 2009

R@iner macht sich schlechte Laune...

R@iner macht sich gerade schlechte Laune, nach dem Muster:

Wenn Du mal wirklich schlecht drauf sein willst, dann denk daran, wie die Anderen sind.
Wenn das nicht genügt, denk daran, wie Du selber bist.
Und wenn das auch nicht reicht, denk daran, was die anderen denken, wie Du bist.

Funktioniert hervorragend!

(Hab ich mal in einem Vortrag zum Thema Gewaltfreie Kommunikation aufgeschnappt, wenn ich nicht irre)

Sonntag, 5. Juli 2009

Allgemeine Relativitätstheorie (2): Der gekrümmte Raum im gekrümmten Raum

Also ich denk mir das so:

Wenn unsere Erde den Raum krümmt, dann krümmt jede Masse den Raum.
Nur mal angenommen, irgendwo säße eine gigantisch große Massen. Eine riesengroße Galaxie oder ein schwarzes Loch vielleicht, ein unermesslich großes.
Dann krümmt sich der Raum um diese Riesenmasse, so wie sich unser Raum um den Mittelpunkt der Erde krümmt.

Zoomen wir uns mal an einen kleinen Teil dieses Raumes heran. Je weiter wir "hinein gehen", desto gleichförmiger erscheint uns der Raum. Wie eine Menge aneinander geschlichteter völlig gleichförmiger Würfel.
Für jeden weiteren Zoom gilt das Gleiche: Aus genügender Nähe hat der Raum Länge, Breite, Höhe.
Zoomen wir weiter, und weiter und weiter und haben wir Glück, finden wir in einem dieser Würfel einen riesig großen Stern, der auf schnurgerader Bahn um das Zentrum der Raumkrümmung kreist.

Angenommen der Stern fliegt auf schnurgerader Bahn um das riesengroße schwarze Loch herum, bis er irgendwann wieder an seinem Ausgangspunkt angekommen ist, und noch viel länger, meinetwegen ewig. Oder er fliegt auf das Schwarze Loch zu, und fällt irgendwann mal hinen, egal.
Der Stern krümmt seinerseits seinen ihn umgebenden Raum, sodass um ihn herum auf schnurgerader Bahn ein Planet kreisen könnte, vielleicht unsere Erde, so lange, bis sie wiederum irgendwann wieder an ihrem Ausgangspunkt angekommen ist, und noch viel länger, und auf der wir schnurgerade in einer Richtung fahren könnten, bis wir irgendwann wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen wären.

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Freitag, 15. Mai 2009

Allgemeine Relativitätstheorie (1): Der gekrümmte Raum

Also ich denk mir das so:

Hier auf unserer Erde meinen wir, der Raum hätte 3 Dimensionen.
So, wie ein Kasten 3 Dimensionen hat: Länge, Breite, Tiefe.

Das scheint überall zu gelten. In unserer Küche, im Garten, am Weg in die Arbeit.

Benutzen wir eine Landkarte (LK), begegnen uns diese 3 Dimensionen schon wieder:
  • Nord-Süd (LK: oben-unten)
  • Ost-West (LK: rechts-links)
  • Oben - Unten (LK: Höhenschnittlinien)
Begeben wir uns auf eine längere Reise bemerken wir mitunter, dass unser Raum offenbar gekrümmt ist. Nicht spektakulär, in irgendeiner geheimnisvollen unbekannten Dimension. Nein, unser Raum ist irgendwie gekrümmt in sich selbst. Um den Mittelpunkt unserer Erde nämlich:

Denn wenn wir lange genug im Flugzeug in eine Richtung fliegen, landen wir dort, wo wir gestartet sind.
Die Masse krümmt den Raum.

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zur nächsten Folge: Allgemeine Relativitätstheorie (2): Der gekrümmte Raum im gekrümmten Raum
Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Dienstag, 5. Mai 2009

Spezielle Relativitätstheorie (5): Hier & Jetzt!

Also ich denk mir das so:

Cristof bewegt sich im Raum nach Norden.

Der Raum selbst steht still. Der Raum ist streng genommen die Summe dessen, was still steht.

Der Raum bewegt sich (mitsamt R@iner) mit Lichtgeschwindigkeit die Zeitdimension entlang und bildet so die Raumzeit. Ein Gebilde, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Cristof, der unterwegs ist, kann nur im Raum unterwegs sein. Damit ist er dazu verdammt, mit dem unbewegten Raum in dessen Hier & Jetzt zu verbleiben. Egal, wie schnell er sich auch selbst in diesem Raum bewegen mag, und völlig unabhängig davon, wie schnell seine eigene Zeit-Geschwindigkeit sein mag.

Cristof bleibt in jedem Moment seines Seins im Hier & Jetzt des ihn umgebenden Raumes.

Auch Astrid, das Photon, bleibt in jedem Moment ihres Seins im Hier & Jetzt des sie umgebenden Raumes, durch das sie mit Lichtgeschwindigkeit eilt, auch wenn's für Sie selbst keine Zeit gibt.

Hier und jetzt ist immer gerade dort, wo der (relativ) unbewegte Raum in seiner Zeitdimension gerade ist. Die Raumzeit IST das Hier & Jetzt.

Cristofs ganz persönliche Zeit wird im permanenten Hier & Jetzt des ihn unaufhörlich umgebenden Raumes GEDEHNT. Seine Uhr tickt langsamer, und trotzdem ist und bleibt er im Hier & Jetzt des ihn umgebenden Raumes.

Astrids Zeit sogar unendlich. Ihre Uhr steht still.




Das Gleiche gilt auch in einer uns wohl vertrauten Umgebung, wohl gemerkt, wir bemerken nichts davon, weil die Geschwindigkeit, die wir im Raum erreichen können, so aberwitzig gering ist:

Angenommen R@iner ist in seiner Küche, an der Wand tickt die Küchenuhr, rhythmisch von 1 bis 15.
Angenommen R@iner steht im Raum, seine Uhr tickt folglich im gleichen Rhythmus wie die Küchenuhr. Nach 5 Ticks bewegt sich R@iner nun in der Küche umher. Schnell wie Cristof, egal wohin. Während die Küchenuhr 5x tickt, tickt R@iners Uhr nun bloß 4x. Trotzdem bleibt er unaufhörlich im Hier & Jetzt der Küche und ihrer Uhr, obwohl für ihn und seine Armbanduhr die Zeit langsamer vergeht, also im Vergleich zur Küche und deren Uhr GEDEHNT ist. Nach 5 Ticks der Küchenohr (und 4 Ticks der Armbanduhr) bleibt er stehen. Sofort ticken beide Uhren wieder im gleichen Rhythmus.

Am Ende der Übung ist die Küche mitsamt Küchenuhr um 15 Ticks älter geworden, und R@iner mitsamt Armbanduhr um 14 Ticks, beide permanent im gemeinsamen Hier & Jetzt verharrend.

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zur nächsten Folge: Allgemeine Relativitätstheorie (1): Der gekrümmte Raum
Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Freitag, 24. April 2009

Spezielle Relativitätstheorie (4): Wo ist Hier & Jetzt?

Also ich denk mir das so:

Cristof hat R@iner im Hier & Jetzt in A verlassen, und war in Richtung C nach Norden aufgebrochen.



Angenommen Cristof beschließt auf halbem Wege und 4 Schlägen seiner Uhr umzukehren. Er wendet, und fährt mit gleicher Geschwindigkeit zurück in südliche Richtung (vcS=3/5). Seine Geschwindigkeit in Zeitrichtung ist unverändert (vcZ=4/5).

Nach insgesamt 8 Schlägen seiner Uhr erreicht er den Punkt, von dem er ausgegangen ist.
Er trifft R@iner an jener Stelle im Raum, wo er ihn zuvor verlassen hat, ganz offensichtlich im Hier & Jetzt (denn wo anders kann man sich nicht treffen).
Beide haben 2 Einheiten der Lichtgeschwindigkeit verwendet.
R@iner beide in Richung der Zeitdimension, Cristof auch, um etwas nach Norden und dann zurück nach Süden zu gelangen.
R@iner ist um 10 Schläge seiner Uhr gealtert, Cristof nur um 8.
Bewegung ist ganz offensichtlich ein gutes Rezept gegen das Älterwerden.

Bloß Cristof ist doch jetzt 2 Einheiten hinter R@iner auf der Zeitachse zurück!
WO ist das Hier & Jetzt geblieben?

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zur nächsten Folge: Spezielle Relativitätstheorie (5): Hier & Jetzt!
Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Spezielle Relativitätstheorie (3): Relative Bewegung

Also ich denk mir das so:

Angenommen Cristof bemerkt nichts von seiner Reise. Die schnelle Kiste ist fensterlos, die Bewegung ist völlig gleichförmig und nichts ließe darauf schließen, dass Cristof sich bewegt. Cristof könnte behaupten, er stünde still. Seine Uhr tickt wie immer, genauso, wie sie getickt hatte, bevor er zur Reise aufgebrochen war. Völlig unauffällig.

Cristof könnte behaupten, R@iner wäre es, der sich von ihm fort bewegt, und zwar sehr rasch nach Süden.

Damit Cristof "in Ruhe" ist, muss sein Lichtgeschwindigkeitsvektor genau entlang der Zeitachse verlaufen. Das gelingt, indem man die Zeitachse in die Richtung Cristofs Lichtgeschwindigkeitsvektors dreht:



Nun verläuft R@iners Lichtgeschwindigkeitsvektor südzeitlich, und Cristof ruht im Raum. Das ist erlaubt, denn ohne Bezugspunkt kann niemand bestimmen, wer sich bewegt und was ruht.

Während für Cristof 4 Schläge vergehen, vergehen für R@iner 3 und ein bisschen.

Könnte Cristof R@iner per Video beobachten, würde er meinen, Rainers Uhr tickt langsamer als seine, er lebe wie in Zeitlupe.

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zur nächsten Folge: Spezielle Relativitätstheorie (4): Wo ist Hier & Jetzt?
Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit 

Donnerstag, 23. April 2009

Spezielle Relativitätstheorie (2): Bewegung in der Raumzeit

Also ich denk mir das so:

Angenommen R@iner sitzt noch im Punkt A dieser Welt. Er bleibt, wo er ist, und rast deshalb mit Lichtgeschwindigkeit (vL=1=5/5) die Zeitdimension entlang auf A' zu.

Nach 2 Stunden erreicht er A'. A' ist also 2 Lichtstunden von A entfernt.
R@iners Uhr tickt währendessen 10 Mal, 5 Mal je Stunde.



Angenommen Cristof startet von Punkt A aus nach Norden zu einem Punkt C. Angenommen er fliegt mit rasanten 3/5 der Lichtgeschwindigkeit nach Norden (vcN=3/5).
Sein Lichtgeschwindigkeitsvektor (vL=1=5/5) weist in nordzeitlicher Richtung, er bewegt sich zwangsläufig mit 4/5 der Lichtgeschwindigkeit die Zeitdimension entlang (vcZ=4/5), denn Pythagoras von Samos sagt a2+b2=c2, in diesem Fall 32+42=52).
Als Cristof C' ereicht, hat seine Uhr 8 Mal geschlagen. Er ist 2 Schläge hinter Rainer zurück.
Cristofs Zeit vergeht langsamer als R@iners, während er sich bewegt.

Könnte R@iner Cristof per Video beobachten, würde er meinen, Cristofs Uhr tickt langsamer als seine, er lebe wie in Zeitlupe.

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zur nächsten Folge: Spezielle Relativitätstheorie (3): Relative Bewegung
Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Montag, 20. April 2009

Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Also ich denk' mir das so:
Angenommen unsere Welt hätte 3 Dimensionen:
1. Nord - Süd
2. Ost - West
3. Zeitdimension
Und angenommen, in dieser Welt würde sich alles mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Wirklich alles!
Und wirklich immer!
(Lichtgeschwindigkeit: das sind in unserer Realität aberwitzige 300.000 km/sec oder 1.080.000.000 km/h)
Und angenommen, in dieser Welt könnten wir uns in den ersten beiden Dimensionen frei bewegen, so schnell, wie wir wollen, aber nicht schneller als wir können.


Angenommen R@iner sitzt im Punkt A dieser Welt. Es ist sein Hier & Jetzt.
Er will sich nicht bewegen und bleibt, wo er ist.
Zwangsläufig rast er mit Lichtgeschwindigkeit die Zeitdimension entlang, weil alles bewegt sich in dieser Welt mit Lichtgeschwindigkeit.
Wirklich alles.
Und seine Uhr tickt. Wie immer.
R@iners Lichtgeschwindigkeitsvektors liegt genau auf der Zeitachse. Rainer bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit vL auf einen Punkt A' zu, der aus seiner Hier & Jetzt Sicht an gleicher Stelle im Raum aber weit in der Zukunft liegt.
Angenommen Birgit ist auch im Hier & Jetzt. Sie bewegt sich mit 100 km/h auf einen Punkt B zu, der etwas östlich von A liegt.
Auch sie bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit durch die Raumzeit. "Schräg" sozusagen, sowohl durch Raum- UND Zeitdimension. Ein winzig kleiner Teil "ihrer" Lichtgeschwindigkeit geht dafür auf, um zu diesem Punkt B im Osten zu gelangen. Mit einem unermesslich großen Teil ihrer Lichtgeschwindigkeit rast auch sie zwangsläufig die Zeitdimension entlang.
Als sie B' erreicht, ist sie in der Zeitdimension ein ganz klein wenig hinter Rainer zurückgeblieben. Ihre Zeit ist langsamer vergangen, sie ist weniger gealtert.
Der Unterschied ist allerdings so klein, dass ihn niemand bemerken, und kaum jemand messen würde können, denn Birgit's Geschwindigkeit nach Osten ist verschwindend im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit.
Birgits Lichtgeschwindigkeitsvektors weicht von der Zeitachse einen winzig kleinen Hauch nach Osten ab. Auch sie bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit vL auf den Punkt B' zu, der auch aus ihrer Hier & Jetzt Sicht weit in der Zukunft liegt; und etwas im Osten.
Projiziert man Birgits Lichtgeschwindigkeitsvektor auf die Ost-West Achse, erkennt man ihre Geschwindigkeit nach Osten (100km/h). Projiziert man ihn auf die Zeitachse, so erkennt man ihre Zeit-Geschwindigkeit. Die ist zwar noch immer so gut wie 300.000 km/sec, aber dennoch, sie ist ein ganz kleinwinzig wenig langsamer, als die von R@iner.
(Siehe WikipediaVektoraddition/Kreuzprodukt)

Angenommen Astrid ist ein Photon (Lichtteilchen) im Hier & Jetzt und ebenfalls unterwegs nach Osten auf einen Punkt D zu.
Auch sie bewegt sich vereinbarungsgemäß wie alles andere in dieser Welt mit Lichtgeschwindigkeit durch die Raumzeit. Sie verwendet alle ihre Geschwindigkeit, um nach Osten zu gelangen. Es bleibt kein Rest an Geschwindigkeit, um in der Zeitdimension voranzukommen. Hätte sie eine Uhr, sie würde nicht ticken. Kein einziges Mal. Ihre Zeit steht still.
Astrids Lichtgeschwindigkeitsvektors weist präzise in östlicher Richtung. Projiziert man ihn auf die Zeitachse, so ist er Null. Keine Zeit (im wahrsten Sinn des Wortes).
Angenommen Cristof startet im Hier & Jetzt nach Norden.
Auch er bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit durch die Raumzeit. Angenommen er sitzt in einer sehr sehr schnellen Kiste und bewegt sich mit sagen wir 3/5 der Lichtgeschwindigkeit auf sein Ziel im Norden zu. Für die zwangsweise Reise durch die Zeit bleiben ihm nach Adam Riese 4/5 Lichtgeschwindigkeit übrig.
(Eigentlich war's nicht Adam Ries, sondern Pythagoras von Samos, der vorrechnete: 32+42=52).
Als er C' erreicht, ist er weit im Norden, und in der Zeitdimension ein gutes Stück hinter R@iner zurückgeblieben. Cristofs Zeit läuft deutlich langsamer wie R@iners, solange er in Bewegung ist. Könnte R@iner Cristof per Video beobachten, käme ihm vor, Cristof lebte in Zeitlupe. R@iner würde meinen, Cristofs Uhr tickt deutlich langsamer als seine.
Das wiederum würde Cristof nicht bemerken, denn die Zeit ist relativ.

Cristofs Lichtgeschwindigkeitsvektors zeigt in "nordzeitliche" Richtung. Projiziert man ihn auf die Zeitachse, so erkennt man seine Zeit-Geschwindigkeit (vZ=4/5). R@iners ist 5/5, Cristof bewegt sich um 1/5 langsamer durch die Zeit.



Angenommen R@iner würde Cristof unmittelbar nach seiner Abreise anrufen (Videokonferenz). Dass Cristof in Zeitlupe agiert, würde ihm sofort auffallen.

Je weiter sich Cristof von R@iner entfernt, desto langweiliger würde die Kommunikation.
Cristof hat sich mit 3/5 Lichtgeschwindigkeit von R@iner weg zu einem Punkt bewegt, von dem aus sich das Videosignal mit 1 = 5/5 Lichtgeschwindigkeit zu R@iner fortbewegen muss.
Dass das Signal selbst auf seiner Reise nicht älter wird, tröstet wenig. Es dauert einfach, bis es ankommt.
Die Wartezeit wird länger, je weiter Cristof weg ist.

Angenommen Cristof hat in C' seine Reise beendet. Er bewegt sich nur mehr in Richtung der Zeitdimension (parallel zu R@iner).
Die Wartezeit bliebe unverändert lange, abhängig von der Distanz. Aber der Zeitlupeneffekt wäre vorbei.

Irrtum vorbehalten.

Hier geht's zur nächsten Folge: Spezielle Relativitätstheorie (2): Bewegung in der Raumzeit
Hier geht's zum Beginn: Spezielle Relativitätstheorie (1): Lichtgeschwindigkeit

Sonntag, 19. April 2009

Mit Lichtgeschwindigkeit reisen...

Wär' ich ein Photon, du denkst, ich würde reisen.
Masselos und schnurgerade durch den Raum.
Wo er gekrümmt, der Krümmung folgend. Geradewegs und auf dich zu.
Mit Lichtgeschwindigkeit, unfassbar schnell.
Ich wüsst' es nicht, denn für mich gäb' es keine Zeit.
Kein früher und kein später, es wär' nur jetzt.
Nichts davor und nichts danach.
Ich wähnte mich unendlich lang.
Oder ist's zu dir unendlich kurz? Ist einerlei!
Gibt's keine Zeit, gibt's keinen Raum.
Ich wäre überall zugleich, und alles wäre schwarz.

Wenn ich an etwas rührte, ich würde wechselwirken.
Wär' es die Netzthaut deines Aug's, ich wär's, der dich dann Sehen macht.
Unendlich kurz, in deinem Augenblick.

R@iner

Photon .. "Lichtteilchen"; Minimalpaket der elektromagnetischen Kraft
Lichtgeschwindigkeit ... knapp 300.000km/sec oder 1080 Millionen km/h; immer, egal, wie schnell und in welche Richtung sich der Beobachter bewegt. Und nichts ist schneller!

Samstag, 4. April 2009

Kann man ein Land ernst nehmen, das aussieht wie ein Schnitzel?

(Frage entdeckt bei DHM)
(BILD entdeckt bei STOCK FOOD)

Samstag, 14. Februar 2009

Staat und Volksverdummung

Das Ziel jeden Staates ist die Verdummung des Volkes. Keine Regierung hat ein Interesse daran, dass das Volk gescheit wird. Also steht jede Regierung in Feindschaft gegen die Vernunft der Anderen. Die Regierung ist um so stärker, je fester sie darauf schaut, dass das Volk verdummt wird.

Ödön von Horváth
(Die Stille Revolution, Surkamp Taschenbuch 254, 3. Auflage, Vorwort Seite 16, ISBN 3-518-06754-0<500>)